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02.09.2010, 09:39 Uhr Übersicht | Drucken
Jahrestag als Aufbruchssignal begreifen
ZU „20 JAHRE EINHEIT: PLATZECK KRITISIERT DDR-,ANSCHLUSS’“, 30. 8., S. 1


 

**Schade, dass Herr Platzeck den 20. Jahrestag der Deutschen Einheit mit seinen Äußerungen zu einem „Anschluss“ der DDR so massiv entwertet. Damit mag er sich bei seinem linken Koalitionspartner anbiedern können. Für eine nach vorne orientierte Landespolitik, wie wir sie dringend brauchen, disqualifiziert er sich damit zunehmend. Verliert Platzeck nach Jahren der politischen Tätigkeit die Bodenhaftung und den Realitätssinn?
Sicherlich ist in der historischen Dimension dieses Ereignisses nicht alles optimal gelaufen, kann man sich da und dort rückblickend bessere Lösungen vorstellen. Aber: Was da in den wenigen Monaten geleistet wurde, sowohl innerdeutsch als auch international in den Zwei-plus-vier-Gesprächen ist nach wie vor beachtlich.
 


Auch sollte man nicht vergessen, dass die demokratische Mehrheit in der DDR sehr wohl eine Wiedervereinigung wollte, und diese möglichst rasch. Die nach der Wiedervereinigung erfolgte, von Platzeck beschimpfte Deindustrialisierung kann man nur begrenzt der neuen Situation einer Sozialen Marktwirtschaft ankreiden.
Die tiefere Ursache liegt doch in einer völlig verfehlten Wirtschafts- und Gesellschaftspolitik der SED, die im neuen Gewand heute sein Koalitionspartner ist. Dass diese Kräfte weiterhin und wider bessere Erfahrung diese verfehlten Rezepte einfordern, ist doch das eigentliche Problem mit seinem Koalitionspartner. Wie will er denn mit dieser schon einmal gescheiterten Politik tatsächlich die Probleme unseres Landes lösen? Und dazu gehören sicherlich die bis heute wirkenden Nachwirkungen der DDR und der Wiedervereinigung. Das reicht aber nicht aus. Zum Beispiel sind die Demographieprobleme viel weitreichender.
Ich würde mich freuen, wenn Platzeck den Jahrestag als Aufbruchssignal für unser Land und seine Bürger begreifen würde. Politik sollte sich darauf konzentrieren, unsere Zukunft zu gestalten, denn die Vergangenheit kann man auch als Ministerpräsident nicht mehr gestalten.

Dr. RAIMUND WEILAND,
Hohen Neuendorf

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